Richtig sein. Immer.

Impuls No. 24

Harmonie über Wahrheit stellen

Wie du das Echte zurückhältst

Wir alle sehnen uns nach Harmonie. Nach diesem warmen, friedlichen Gefühl, wenn alles gut scheint, keiner sich streitet, niemand verletzt wird. Wir lernen früh, dass Harmonie etwas Gutes ist – ein Zeichen von Verbundenheit. Doch oft geschieht dabei etwas Unmerkliches: Wir stellen die Harmonie über die Wahrheit. Wir schlucken Worte hinunter, passen uns an. Wir wollen keinen Konflikt auslösen, keinen Schmerz verursachen, nicht anecken – und verlieren dabei das Echte in uns. Wir glauben, die Harmonie zu brauchen um, richtig zu sein. Richtig in den Augen der anderen, richtig in der Rolle, richtig im Verhalten. Wir wollen dazugehören, geliebt werden, nicht unbequem auffallen. Doch dieses „Richtigsein“ ist oft ein feiner Verrat an uns selbst.

Denn Harmonie, die auf Kosten der Wahrheit geht, ist keine echte Harmonie. Wir spüren vielleicht, dass etwas nicht stimmt, aber wir wollen es nicht sehen – weil wir glauben, dass das Aushalten von Spannung ein Fehler ist. Wir verwechseln Frieden mit Abwesenheit von Reibung, Liebe mit Zustimmung, Nähe mit Angepasstheit. Und so halten wir zurück, was eigentlich gesagt werden will, was durch uns in die Welt möchte. Wir halten unsere Gefühle, unsere Impulse, unsere Wahrheiten zurück, weil wir denken, das macht uns zu einem besseren Menschen. Doch in Wahrheit machen wir uns selbst kleiner – und damit auch die Beziehung, die Welt, in der wir leben.

Was, wenn Wahrheit nicht trennt, sondern verbindet? Wenn dein echtes, pures Gefühl – auch wenn es unbequem ist – die Brücke sein könnte, die Nähe erst möglich macht? Wenn deine Stimme gehört werden will, nicht, um andere zu verletzen, sondern um dich zu zeigen – als Teil des Ganzen. Vielleicht beginnt echte Harmonie nicht dort, wo alle lächeln, sondern dort, wo wir einander zumuten, was wir wirklich fühlen. Dort, wo wir Spannungen aushalten, nicht um des Streits willen, sondern weil wir lebendig sind. Vielleicht ist genau hier der Raum, in dem du dich selbst wieder spürst – und andere dich wirklich sehen können.

Erlaube ich mir, absolut richtig zu sein, nicht für die Harmonie, sondern als Folge meines Erlaubens, was gerade ist.

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