Das leise Feld
Kapitel 3: Das reagierende Nervensystem
Impuls No. 19
Du merkst, dass du flüchten willst - und bleibst trotzdem
Der Moment, in dem du zum ersten Mal nicht wegläufst.
Vielleicht hast du jahrelang geglaubt, du müsstest nur die richtige Entscheidung treffen, das richtige Umfeld finden, dem richtigen Partner begegnen, den richtigen Weg gehen – und dann würde es sich endlich gut anfühlen. Vielleicht war dein ganzes Streben danach ausgerichtet, dich nicht mehr so zu fühlen wie früher: falsch, zu viel, zu wenig, irgendwie ungenügend. Und ohne es zu merken, wurde die Suche nach dem „richtigen Leben“ zur Flucht vor einem Gefühl, das einfach nicht da sein durfte. Nicht damals. Nicht heute. Nicht jetzt. Und genau das wird sichtbar, wenn du plötzlich innehältst – und nichts tust.
Denn Flucht ist nicht immer laut. Sie hat viele Gesichter: Denken. Planen. Optimieren. Reagieren. Funktionieren. Und manchmal auch spirituelles Streben. Alles, um einem inneren Erleben auszuweichen, das scheinbar keinen Platz hat. Doch irgendwann beginnst du, das Muster zu durchschauen. Nicht intellektuell – sondern körperlich. Du merkst, dass nicht die Situation das Problem ist. Sondern dass du gelernt hast, bestimmten Gefühlen reflexhaft zu entkommen. Nicht weil sie gefährlich wären – sondern weil du nie gelernt hast, sie zu halten. Und dann bleibst du. Nicht aus Disziplin. Sondern aus der tiefen Erkenntnis: Es gibt keinen anderen Weg mehr. Nur hier. Nur jetzt. Nur du.
Und etwas beginnt sich zu verändern. Nicht weil du dich zwingst – sondern weil du nicht mehr flüchtest. Weil du dich selbst nicht mehr übergehst. Und plötzlich kommt dieses gute Gefühl. Nicht als Belohnung. Nicht als Ziel. Sondern einfach, weil es deine Natur ist. Richtig zu sein. Ohne etwas zu beweisen. Ohne etwas zu lösen. Ohne dass es einen anderen Ort geben muss als diesen.
Erlaube ich mir, da zu bleiben, wo ich mich bisher am liebsten verlassen würde?
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