Nicht mehr für andere – sondern für mich
Impuls No. 22
Ich hör auf, mich durch dich zu definieren
Freiheit von Rollen, die uns nie gehört haben.
Lange habe ich mich darin gespiegelt, wie du auf mich reagierst. War ich willkommen, war ich richtig, war ich hilfreich? Habe ich etwas in dir bewegt? Habe ich gefallen, beruhigt, inspiriert? Ich habe meine Wirkung als Maßstab genommen, mein Selbstbild aus deinen Reaktionen geformt. Und dabei übersehen, wie sehr ich mich dafür angepasst habe. Nicht aus Täuschung – sondern aus einem unbewussten Wunsch, stimmig zu sein. Aber stimmig für dich.
Ich habe Rollen übernommen, die nie wirklich mir gehört haben. Die Versteherin. Die Vermittlerin. Die, die den Überblick hat. Ich habe gelächelt, wenn es in mir geknirscht hat, und Harmonie gehalten, obwohl ich etwas anderes gefühlt habe. Nicht, weil ich unecht war – sondern weil ich in deinem Blick gesehen werden wollte. Und weil ich dachte, dass ich nur dann Platz habe, wenn ich eine Funktion erfülle, die für dich Sinn ergibt.
Doch ich bin nicht hier, um deine Geschichte von mir zu erfüllen. Ich bin nicht hier, um dir ein gutes Gefühl zu geben. Ich bin nicht hier, um dein Bedürfnis zu bedienen. Ich bin hier, um ich zu sein. Und das bedeutet manchmal, dich zu enttäuschen. Oder dich zu irritieren. Oder dich zu konfrontieren mit etwas, das nicht deiner Vorstellung entspricht.
Ich höre auf, mich durch dich zu definieren. Ich nehme mir das Recht zurück, nicht immer stimmig zu wirken – aber in mir echt zu sein. Und vielleicht ist das der erste Moment von wahrer Freiheit: wenn ich mich selbst wieder spüren kann, auch wenn du mich darin nicht erkennst.
Ich bin kein Bild. Kein Spiegel. Kein Lückenfüller. Ich bin da. Und das ist genug.
Erlaube ich mir, ich zu sein – auch wenn ich nicht mehr die bin, die du in mir sehen willst?
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