Ankommen im Nichts
Impuls No. 27
Du fällst nicht - du hältst dich nur nicht mehr fest
Vertrauen in das, was dich trägt.
Es fühlt sich manchmal an wie ein Sturz. Als würde etwas wegbrechen. Als würde dir der Boden unter den Füßen fehlen. Keine Orientierung, keine Klarheit, keine greifbare Sicherheit. Und der erste Reflex ist verständlich: Festhalten. An Gedanken, an alten Überzeugungen, an Routinen, an einem Halt, der dir einst geholfen hat, nicht verloren zu gehen. Aber was, wenn das, was du für Halt gehalten hast, längst zu einer Begrenzung geworden ist? Was, wenn du nicht fällst – sondern einfach nur nichts mehr festhalten musst?
Dieser Moment ist kein Abgrund. Er ist eine Schwelle. Du verlierst nicht, du lässt los. Du kippst nicht aus dem Leben – du steigst aus dem Zwang aus, es kontrollieren zu müssen. Und ja, das fühlt sich instabil an. Denn dein System war jahrzehntelang auf Spannung gebaut. Auf ein „sich daran halten“. Und plötzlich geht das nicht mehr. Nicht, weil du es nicht kannst – sondern weil du es nicht mehr brauchst. Du kommst an einen Punkt, an dem du dich nicht mehr aufrichten musst, um aufrecht zu sein. An dem du nicht mehr weißt, wo oben ist – aber trotzdem getragen wirst.
Und vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Vertrauen. Nicht das Vertrauen in ein Ergebnis, in eine Lösung, in eine Besserung. Sondern das Vertrauen in etwas Größeres, das dich auffängt – gerade weil du dich nicht mehr hältst. In eine innere Ordnung, die nicht aus Planbarkeit entsteht, sondern aus Hingabe. In eine Stille, die dich nicht entzieht, sondern tiefer bindet. Du wirst nicht aufgefangen, weil du gefallen bist. Du wirst getragen, weil du dich nicht mehr wehrst gegen das, was dich trägt.
Erlaube ich mir, nicht mehr festhalten zu müssen – und mich von etwas Tieferem tragen zu lassen, das ich nicht steuern kann?
Gefällt dir der Impuls?
Du kannst ihn direkt als PDF ausdrucken.
