Das leise Feld
Kapitel 4: Die Sinnlosigkeit nach der Befreiung
Impuls No. 24
Ablenkung als letzter Halt
Es ist nicht dein Tun - sondern das Verhalten, das dagegen wirkt
Du weißt längst, dass du aufgerufen bist. Nicht von außen. Von innen. Etwas ruft dich, still, ohne Druck – aber eindeutig. Und jedes Mal, wenn du bereit bist, still zu werden, taucht etwas auf, das dich herausführt. Ein Gedanke, ein Griff zum Handy, ein Impuls zu tun, zu regeln, zu verbessern. Du sagst, du brauchst Raum. Und füllst ihn. Du willst Klarheit. Und übertönst sie. Nicht weil du es nicht willst – sondern weil es ungewohnt ist, in dieser Tiefe zu verweilen, ohne dich sofort neu zu ordnen.
Ablenkung zeigt sich nicht immer offensichtlich. Sie tarnt sich als Alltag, als Struktur, als scheinbare Notwendigkeit. Und weil sie vertraut ist, wird sie selten erkannt. Oft läuft sie als Verhalten – automatisiert, unreflektiert, beinahe fürsorglich. Doch Verhalten fragt nicht. Es wiederholt. Es hält dich in Bewegung, ohne dass du ankommst. Erst wenn du innehältst, kann daraus Haltung werden. Eine innere Bereitschaft, nicht wegzugehen. Auch wenn es unbequem ist. Auch wenn alles in dir in die nächste Handlung drängt. Haltung bleibt. Nicht, um zu verharren – sondern um bewusst zu spüren, was gerade wirkt. Sie lenkt nicht ab. Sie hält aus. Und genau darin beginnt sich etwas zu wandeln.
Vielleicht ist das der letzte Halt: die Bewegung, die dich in Sicherheit wiegt, während du dich längst an etwas Größeres erinnerst. Nicht mit Worten. Sondern mit einem Schwingen tief im Innern, das keine Ablenkung mehr trägt. Du spürst, dass du nicht langsamer werden musst – sondern bereit. Nicht kontrollierter – sondern durchlässiger. Nicht diszipliniert – sondern wach. Was dich zurückhält, ist nicht zu viel. Sondern zu wenig Nähe mit dem, was jetzt wirklich da ist.
Erlaube ich mir, der Berührung nicht länger auszuweichen – auch wenn sie mich verändert?
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