Richtig sein. Immer.
Impuls No. 22
Situationen vermeiden - und was wir dabei übersehen
Wie das Leben Gefühle verpackt.
Es ist menschlich, Situationen zu vermeiden, in denen wir uns unwohl fühlen oder die uns an unsere Grenzen bringen. Wir erzählen uns dann Geschichten: „Das muss ich nicht aushalten“, „Ich sorge besser vor.“ Doch was wir dabei oft übersehen, ist, dass jede vermiedene Situation wie ein ungeschriebenes Kapitel bleibt – wir wissen nicht, was hätte entstehen können, wenn wir da geblieben wären. Das Leben spricht mit uns – über Gefühle, Reibung, Widerstände. Wenn wir diesen Wellen ausweichen, verlieren wir den Zugang zu ihrer Botschaft.
Warum vermeiden wir? Weil wir glauben, dass es besser ist, uns gut zu fühlen. Weil wir denken, dass es sicherer ist, zu wissen, wie es weitergeht. Und vor allem, weil wir hoffen, richtig zu sein – richtig in unserem Verhalten, unseren Entscheidungen, unseren Reaktionen. Wir wollen es gut machen, nicht scheitern, nicht enttäuschen. Doch dieser Wunsch, „richtig“ zu sein, ist wie eine feine Kette, die uns an der Oberfläche hält. Sie hält uns fern von dem, was uns wirklich ganz machen will – den Gefühlen, die wir für gefährlich halten, den Momenten, in denen wir keine Kontrolle haben.
Und die Angst? Sie ist oft der erste Bote, der uns zeigt: Hier beginnt etwas Neues. Nicht, weil es schwer und schmerzvoll sein muss, sondern weil es unbekannt ist. Angst sagt nicht: „Hier droht Gefahr.“ Angst sagt: „Hier ist etwas, das du noch nicht kennst.“ Wenn wir aufhören, die Angst abzuwehren, wenn wir uns nicht mehr gegen sie stemmen, sondern tiefer lauschen – dann offenbart sich, was sie wirklich ist: eine Einladung, etwas zu entdecken, das wir bisher nicht annehmen konnten. Vielleicht liegt genau hier die Befreiung, die wir suchen – nicht, indem wir die Angst überwinden, sondern indem wir sie als Türöffner verstehen. Vielleicht ist genau das, was wir vermeiden, der nächste Schritt in ein freieres Leben und vielleicht ist Angst einfach nur der Hinweis, dass wir jetzt etwas Neues sehen dürfen.
Erlaube ich mir, nicht länger der Angst auszuweichen, um richtig sein zu müssen – und damit etwas ganz Neues in mir zu entdecken?
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