Richtig sein. Immer.
Impuls No. 21
Gefilterte Bewusstheit
Wenn das Bild von Bewusstsein Wahrhaftigkeit ausschließt.
Viele Menschen wollen in ein höheres Bewusstsein – durch Meditation, Reflektion, innere Arbeit. Sie suchen nach mehr Klarheit, nach Weite, nach dem Gefühl von Licht und Frieden. Doch oft bleibt eine stille, unbemerkte Absicht verborgen: Dass es hell werden soll – und das Dunkle verschwinden. Dass das Schwere leichter, das Enge weiter, das Unangenehme schöner werden soll. Dabei ist Bewusstsein nichts, was man erreicht. Nichts, in das man einsteigt. Es ist kein Ziel und kein Zustand – sondern ein bewusstes Hinsehen. Einfach. Klar. Direkt. Nicht mehr und nicht weniger. Bewusstsein ist keine neue Sphäre – es ist die Folge von Hingabe und Selbstverantwortung.
Ja, Bewusstheit kann erklären und kann verstehen – aber es bleibt gefiltert, wenn es einer fixen Absicht entspringt und das Fühlen im Moment damit übergangen wird. Gefühle werden bewertet: Wut als Problem, Angst als Mangel an Vertrauen, Scham als etwas, das geheilt werden muss. Alles, was sich nicht „hoch“ oder „klar“ anfühlt, wird leise aussortiert. Doch genau das verhindert, tiefer zu fühlen. Wenn das Dunkle weggeschoben werden soll, bleibt das Fühlen oberflächlich. Bewusstsein ist keine Sammlung von positiven Zuständen – es ist das Anerkennen dessen, was jetzt ist.
Bewusstsein ist Sehen und Werden zugleich. Was wahrgenommen wird, bin ich – sonst könnte ich es nicht wahrnehmen. Und genau darin liegt die Ausdehnung: Nicht, weil etwas kontrolliert oder verändert wird, sondern weil es gespürt wird – nicht über die Sinne, sondern über Resonanz. Resonanz ist das Signal, es zeigt, ob etwas stimmt oder nicht stimmt – mit mir übereinstimmt. Somit ist Bewusstsein nicht das Streben nach Licht – sondern ein tiefes Einverstanden-Sein mit allem, was ist.
Erlaube ich mir, höheres Bewusstsein nicht zu brauchen, um richtig zu sein und dadurch offen zu werden, wahrhaftig zu sehen?
Gefällt dir der Impuls?
Du kannst ihn direkt als PDF ausdrucken.
