Richtig sein. Immer.

Impuls No. 20

Gut sein wollen

Gebraucht werden, um sich richtig zu fühlen.

Viele Menschen wollen gut sein – nicht unbedingt, weil sie so gutherzig sind, sondern weil „gut sein“ Sicherheit gibt. Wenn man gebraucht wird, sich einsetzt, anderen hilft, gibt das Sinn und ein gutes Gefühl: Man ist wichtig, man wird gesehen, man hat einen Platz. Gut sein fühlt sich an wie ein stiller Vertrag: Solange ich für andere da bin, für andere sorge, kann ich sicher sein, dass ich nicht ausgeschlossen werde. Solange ich helfe, kann mir niemand etwas vorwerfen. Solange ich gebe, bin ich wertvoll. Doch dieses „Gutsein“ ist oft nicht frei. Es ist ein Weg, das eigene Richtigsein zu sichern – oft unbewusst.

Schon in der Bewertung: „der Arme“, „die Bedürftige“, „der Schwache“ liegt oft eine subtile Erniedrigung – weil darin übersehen und übergangen wird, dass in jedem Menschen eine eigene Kraft und Verantwortung liegt und die will erinnert werden. Wenn Helfen aus dem Bedürfnis entsteht, sich richtig zu fühlen, wird das Spiel von Retter, Täter und Opfer aufrechterhalten. Es bleibt verdeckt, warum diese Rollen in dieser Welt nicht weniger werden: Weil „gut“, „schlecht“ oder „ohnmächtig“ weiter als feste und gesellschaftliche „normale“ Kategorien betrachtet werden – und genau diese Haltung die niedrige Energie und das Abhängigkeitsmuster nährt. Nicht das Helfen an sich ist das Problem – sondern der Versuch, über das Helfen den eigenen Wert zu sichern.

Wer Verantwortung übernimmt und erlaubt, sein Richtigsein nicht mehr beweisen zu müssen, kommt in eine ganz andere Kraft. Es entsteht eine Haltung, die niemanden als schwach bezeichnet, um sich selbst groß und wertvoll zu fühlen. Diese Haltung ermöglicht es, wirklich zu unterstützen – nicht, um jemanden in seiner Ohnmacht zu bestätigen, sondern um ihn zu erinnern: Du hast Macht. Du hast Kraft. Du kannst selbst entscheiden. So wird Helfen zu einer Einladung, nicht zu einer Sicherung des eigenen Richtigseins.

Erlaube ich mir, den Beweis für mein Richtig sein nicht mehr zu brauchen – und genau dadurch die Kraft zu finden, die Menschen in ihre eigene Größe führt?

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