Die Vergangenheit und die Zukunft wählen
Impuls No. 19
Mut zur Lücke - das Unfertige anerkennen
Heilung in der Unvollkommenheit.
Wir wachsen mit der Vorstellung auf, dass Dinge abgeschlossen sein müssen, um ganz zu sein. Dass nur das Runde, das Fertige, das Vollständige Wert hat. Und so bemühen wir uns – manchmal ein Leben lang – darum, etwas zu einem Ende zu bringen, das sich gut anfühlt. Verständlich. Fertig.
Doch das Leben ist selten rund. Es lässt Dinge offen. Es bricht ab. Es verweigert Auflösungen. Es hinterlässt Lücken, auf die keine Antwort passt. Und vielleicht ist das kein Fehler – sondern eine andere Art von Vollständigkeit. Eine, die nicht im Schließen liegt, sondern im Anerkennen.
Manches bleibt ungesagt. Manches unversöhnt. Manches unvollständig. Und doch wirkt es weiter. Nicht als Makel, sondern als Teil unserer Wirklichkeit. Es braucht Mut, diese Lücken nicht zu füllen – sondern sie da sein zu lassen. Nicht als Leere, sondern als Raum, in dem etwas wachsen darf, das jenseits von Kontrolle liegt.
Heilung geschieht oft nicht, weil alles gelöst wurde. Sondern weil wir aufhören, gegen das Unfertige zu kämpfen. Weil wir beginnen, das Leben so zu nehmen, wie es ist: offen, unklar, im Werden begriffen.
Vielleicht sind die Lücken kein Mangel. Sondern stille Einladungen, das Leben nicht mit dem Verstand – sondern mit dem Herzen zu verstehen. Und vielleicht erzählen gerade sie am meisten von unserer Menschlichkeit. Davon, dass wir fühlende Wesen sind, keine perfekten. Dass wir offen bleiben dürfen – auch ohne Abschluss. Und dass manchmal gerade das Unfertige der Ort ist, an dem wir ganz sind.
Was verändert sich in mir, wenn ich aufhöre, nach Auflösung zu suchen – und das Unfertige als Teil des Ganzen anerkenne?
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