Richtig sein. Immer.
Impuls No. 13
Wechselhaft sein ist schwach
Vom Nicht-Erlauben so zu sein.
Es gibt eine stille Regel, die tief wirkt: Sei klar, sei konsequent, sei verlässlich. Wenn du wechselhaft bist, wirkst du nicht berechenbar. Wenn du heute so fühlst und morgen anders, bist du nicht stabil. Und so wird Wechselhaftigkeit zur Schwäche erklärt – nicht, weil sie wirklich schadet, sondern weil sie Unsicherheit auslöst. In anderen. In dir selbst. In dem Bild, das du von dir halten willst. Wechselhaft zu sein fühlt sich an wie ein Riss – als wäre es ein Beweis, dass du nicht stark bist, nicht echt, nicht richtig. Also fängst du an, dich zu glätten. Aussagen abzumildern. Gefühle zu relativieren. Alles so zu drehen, dass es zusammenpasst. Nicht, weil du lügen willst – sondern weil du Angst hast, dass dein Unstimmigsein dich angreifbar macht.
Doch genau hier verlierst du den Kontakt zu dir. Denn Leben ist nicht gradlinig. Gefühle sind nicht konstant. Entwicklung ist nicht ein einziger Weg. Wechselhaftigkeit ist kein Makel – sie ist ein Zeichen, dass du spürst. Dass du offen bist, dich berühren zu lassen. Dass du nicht an einer Wahrheit festhältst, nur weil du sie gestern gefühlt hast. Aber solange du versuchst, wechselhafte Seiten zu vermeiden, reduzierst du dich auf eine kleine, kontrollierte Version von dir. Du wirst verlässlich – aber bist nicht mehr verbindlich. Klar – aber nicht mehr tief. Und irgendwann wird dein Leben so festgelegt, dass du dich selbst nicht mehr darin wiederfindest.
Vielleicht ist Wechselhaftigkeit kein Problem, sondern der Beweis, dass du in Bewegung bist. Dass du in Kontakt bist mit dem Leben, statt dich zu verstecken. Dass du dich berühren lässt, statt dich festzulegen. Vielleicht ist das der tiefste Ausdruck von Wahrhaftigkeit: nicht glatt sein, sondern echt. Nicht konstant, sondern verbunden – mit allem, was sich zeigen will.
Erlaube ich mir, absolut richtig zu sein – auch wenn ich mich in jedem Moment verändere?
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