Richtig sein. Immer.

Impuls No. 12

Sinn machen müssen

Wie du Kontrolle über Tiefe stellst.

Wenn etwas passiert, was dich innerlich bewegt, willst du es oft sofort verstehen. Nicht aus Neugier – sondern weil das Verstehen Sicherheit verspricht. Denn was du erklären kannst, scheint weniger bedrohlich. Was du einordnen kannst, verliert seine Macht. Und so wird Sinn zum Rettungsanker. Wenn etwas schwer ist, musst du wissen, warum. Wenn etwas wehtut, brauchst du eine Bedeutung. Nicht, um das Gefühl zu fühlen – sondern um es zu beherrschen. Denn das Nicht-Verstehen ist das eigentlich Unruhige. Es fühlt sich wie Kontrollverlust an. Und Kontrolle wird oft für Stabilität gehalten.

Doch genau hier entsteht das Missverständnis. Du glaubst, du brauchst den Sinn, um bei dir zu bleiben. Doch während du ihn suchst, entfernst du dich oft. Denn das Bedürfnis nach Sinn tritt meist genau dann auf, wenn du mit etwas in Kontakt kommst, das keine klare Form hat: Leere, Widerspruch, Unsicherheit, Übergang. Und dann stellt sich nicht die Frage, ob du verstehen willst – sondern warum. Geht es dir darum, Bewusstsein zu schaffen? Oder darum, das Gefühl zu beruhigen, es schneller loszuwerden, es „in Ordnung zu bringen“? Verstehen ist nicht falsch. Aber wenn es zur Flucht vor dem Fühlen wird, nimmst du dir selbst die Begegnung. Sinn wird dann zur Überbrückung von dem, was dich eigentlich tragen will: das pure, nicht aufbereitete Erleben.

Vielleicht ist es nicht dein Job, allem sofort Bedeutung zu geben. Vielleicht darf etwas einfach da sein – sinnlos, roh, unfertig. Vielleicht zeigt sich der tiefste Sinn erst dann, wenn du nicht mehr nach ihm suchst, sondern bei dem bleibst, was sich zeigt. Nicht im Denken. Sondern in dir. Und vielleicht bist du genau dann richtig, wenn du keinen Sinn brauchst – weil du dir selbst vertraust, auch ohne Erklärung.

Erlaube ich mir, vollkommen richtig zu sein – auch wenn etwas keinen Sinn ergeben muss?

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