Das leise Feld
Kapitel 2: Der körperliche und emotionale Entzug von Tun, Streben und Reagieren
Impuls No. 11
Das Alte ist fertig - aber nichts ruft dich
Und vielleicht ist das gerade die Einladung
Man könnte meinen, dass nach dem Loslassen sofort das Neue ruft. Dass Klarheit eintritt, wenn das Vergangene abgeschlossen ist. Doch oft geschieht genau das Gegenteil: Stille. Kein Impuls, keine Richtung, keine innere Bewegung. Nur dieser leere Raum, in dem alles Alte vergangen ist – aber noch nichts Neues entsteht. Und das fühlt sich nicht nach Befreiung an, sondern nach Verlorensein. Nicht, weil du rückwärts willst, sondern weil vor dir nichts aufscheint, dem du folgen kannst. Du weißt, dass du hier nicht bleibst – aber du hast noch keinen Ort, zu dem du gehörst.
Du versuchst, dich zu orientieren, suchst nach einem Ruf, nach einem Impuls, nach einem Hinweis – aber es bleibt still. Und vielleicht ist genau das die Prüfung: Nicht der Mut zum Gehen – sondern die Fähigkeit, zu bleiben, ohne Antrieb. Dich nicht zurückzuziehen in alte Sicherheiten, nicht zu fliehen in neue Projekte, nicht zu greifen, nur um etwas zu halten. Sondern still zu werden in dir. Vielleicht bist du gar nicht aufgerufen, sofort zu handeln – sondern erst einmal nur zu sein. Nicht mehr jemand, der sich bewegt, sondern jemand, der aushält, dass nichts geschieht. Und genau darin liegt ein Shift, der nicht sichtbar ist – aber real.
Vielleicht ist das Schweigen nach dem Alten kein Fehler, sondern Gnade. Vielleicht will sich das Neue nicht durch Druck zeigen – sondern durch Übereinstimmung. Und vielleicht geschieht es nicht, wenn du willst – sondern wenn du bereit bist, auch ohne Ziel dazubleiben. Mit dir. In aller Ungewissheit. Und in der unausweichlichen Stille, in der du dich nicht verlierst, sondern zum ersten Mal spürst, wer du bist, wenn nichts dich ruft.
Erlaube ich mir, der Stille zu vertrauen – auch wenn sie mir nichts verspricht?
Gefällt dir der Impuls?
Du kannst ihn direkt als PDF ausdrucken.
