Das leise Feld

Kapitel 2: Der körperliche und emotionale Entzug von Tun, Streben und Reagieren

Impuls No. 10

Du funktionierst noch - aber es zieht nichts mehr

Wenn die Maske nicht mehr reicht und die Frage bleibt.

Du wachst auf, du tust, was du tun musst, du gehst deinen Weg – aber innerlich ist etwas leer geworden. Nicht dramatisch, nicht laut. Aber spürbar. Die Dinge greifen nicht mehr. Du funktionierst, aber du bist nicht mehr wirklich verbunden mit dem, was du tust. Keine echte Resonanz, keine innere Bewegung, nur Routinen. Du erfüllst Erwartungen, lächelst an den richtigen Stellen, bringst Leistung – aber du spürst: Es zieht nichts mehr. Kein Ziel, kein Wunsch, keine erkennbare Richtung. Und was früher Auftrieb war, fühlt sich heute wie ein mühsamer Versuch an, etwas aufrechtzuerhalten, das du längst verlassen hast. Es ist, als würdest du innerlich durch einen Raum gehen, der früher Sinn hatte – und jetzt nur noch Kulisse ist.

Und gleichzeitig ist da ein Teil in dir, der sich nicht mehr verführen lässt. Nicht von Anerkennung, nicht von Zielen, nicht von dem alten Drang, bedeutsam zu sein. Es funktioniert – aber du fühlst, dass du dich nicht mehr erreichst in diesem System. Dass dein Tun keinen Halt mehr gibt, weil du innerlich weitergezogen bist. Und das ist keine Schwäche, sondern vielleicht der ehrlichste Moment: der Punkt, an dem du erkennst, dass du nicht mehr zur Oberfläche zurückkannst. Dass du nicht mehr willst. Auch wenn du noch nicht weißt, was kommt – du weißt, dass du hier nicht bleiben kannst.

Vielleicht ist das der leise Beginn von Integrität. Nicht die große Entscheidung, nicht der laute Bruch – sondern die stille Erkenntnis: Ich bin längst nicht mehr da, wo ich tue, was ich tue. Und vielleicht geht es gerade nicht darum, alles zu ändern – sondern erst einmal anzuerkennen, dass du innerlich längst ausgestiegen bist. Und dass es mutig ist, nicht sofort zu fliehen – sondern einen Moment zu verweilen. Ohne Maske. Ohne Selbsttäuschung. Ohne das alte Narrativ zu wiederholen.

Erlaube ich mir, die Leere zwischen meinem Funktionieren und meinem Fühlen auszuhalten – ohne mich zurück in die alte Antriebskraft zu zwingen?

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